LinkedIn Ads 2026 – warum die meisten Kampagnen scheitern…

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…(und wie du Reichweite & Frequenz ohne Mehrbudget verdoppelst)

LinkedIn ist in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich das B2B-Schlachtfeld: teuer, kompetitiv, laut.
Und trotzdem der Ort, an dem Buying-Committees sichtbar sind, vom Geschäftsführer im Mittelstand bis zur Einkaufsleitung im Konzern. Viele Teams machen damit 2026 die gleiche Erfahrung: ein paar Single-Image-Ads, vielleicht ein Video, Budget raus, CPM hoch, Frust hoch, Urteil: „LinkedIn ist zu teuer.“

Der wunde Punkt ist nicht LinkedIn. Der wunde Punkt ist, wie die meisten einkaufen: Sie bewerfen die teuerste Inventar-Kategorie mit dem größten Teil ihres Budgets und wundern sich, dass die Auktion sie ausnimmt. Ein Beitrag US-Agentur KlientBoost beschreibt das sehr konkret: Über-Fokus auf ein Anzeigenformat ist der häufigste Fehler; unterschiedliche Formate haben sehr unterschiedliche CPMs, und Diversifikation erschließt günstigere Inventare.

Die logische Konsequenz für D-A-CH: Wenn dein Ziel Reichweite + Frequenz pro Euro ist, musst du nicht „mehr Budget“ haben. Du brauchst ein Creative-System, das mehrere Formate und mehrere Angles parallel bespielt.

Die LinkedIn-Falle: Ein Format dominiert – und du bezahlst die Steuer dafür

In der US-Quelle wird beschrieben, dass viele Accounts zu 80% aus Single-Image-Kampagnen bestehen, ein bisschen Video und der Rest (Document, Carousel, Conversation etc.) ist Null. Das ist in D-A-CH exakt genauso. Und weil LinkedIn eine Auktion ist, passiert Folgendes:

  • Alle bieten auf das gleiche Format → Preis steigt
  • Deine CTR sinkt durch Ad-Fatigue → Relevanz sinkt → Preis steigt weiter
  • Du bekommst weniger Impressions pro Euro → Reichweite stagniert
  • Du interpretierst das als Plattformproblem → du kürzt Budget → du verlierst Share of Voice

Die Lösung ist nicht „bessere Zielgruppen“ (die brauchst du auch), sondern Inventar-Arbitrage: Du bespielst Formate, die andere ignorieren, und kaufst dir Reichweite dort günstiger.

Das D-A-CH-Missverständnis: „Unser Content ist zu seriös für lo-fi“

Gerade im deutschsprachigen B2B gibt es oft eine kulturelle Bremse: lo-fi wirkt „unprofessionell“, UGC-Style „zu B2C“, Dokument-Ads „zu viel Text“. In der Praxis ist das Gegenteil wahr: Entscheider:innen reagieren nicht auf Hochglanz, sondern auf Klarheit, Relevanz und Beweisführung. Und genau das liefern Document Ads, Carousels und lo-fi-Videos oft besser als polierte Image-Ads.

Das Creative-System: Formate × Angles statt „eine Hero-Ad“

Der US-Beitrag empfiehlt, nicht eine Hero-Ad zu bauen, sondern mehrere Angles direkt zum Start, u. a. Social Proof, Benefits, Persona-Ads, UGC-Style, Comparison-Ads, und diese über mehrere Formate auszuspielen. Das lässt sich für D-A-CH hervorragend operationalisieren:

Die 5 Angles, die im D-A-CH-B2B fast immer funktionieren:

  1. Social Proof: Logos (vorsichtig, DSGVO/Referenzen), Zitate, kurze Case-Snippets, „X% weniger Aufwand“
  2. Outcome/Benefit: nicht Features, sondern Ergebnis („30% schnellere Angebotserstellung“)
  3. Persona-Spezifik: CFO-Version vs. Head of Sales vs. Operations – gleiche Lösung, anderer Schmerz
  4. Proof-Mechanik: „So machen wir es“ (3 Schritte, 1 Beispiel, 1 Screenshot)
  5. Vergleich/Differenzierung: „Warum Ansatz A scheitert und B gewinnt“ (ohne plumpes Bashing)

Und jetzt der Reichweiten-Hebel: Du multiplizierst diese Angles nicht mit 1 Format, sondern mit 3–5 Formaten.

Welche Formate du 2026 in D-A-CH zwingend im Mix brauchst

Die US-Quelle nennt konkret Formate, die oft vernachlässigt werden, aber Reichweite erweitern: Document Ads, Carousels, Spotlight Ads, Conversation Ads, CTV – weil sie neue Inventare öffnen. Für D-A-CH würde ich den Kernmix so bauen:

  • Document Ads: perfekt für „Mini-Guides“, Checklisten, Benchmarks (hohe Save-Rates)
  • Carousel Ads: ideal für Storytelling + Argumentationsketten
  • Video (lo-fi + sauber): 20–40 Sekunden, 1 Hook, 1 Problem, 1 Mechanik, 1 CTA
  • Single Image: weiterhin okay, aber nicht dominierend
  • Conversation/Message-Formate: gut für direkte Interaktion, wenn Offer stark ist

Implementierung in 30 Tagen: Der Plan, den du als Agentur 1:1 verkaufen kannst

Woche 1: Audit + Budget-Reframe

  • Verteilung nach Format prüfen (wie viel % Single Image?)
  • CPMs nach Format vergleichen (LinkedIn Campaign Manager)
  • Ziel definieren: Reichweite/Frequenz vs. Leads sofort (das sind unterschiedliche Setups)

Woche 2: Top-Ad recyceln statt neu erfinden

Der US-Beitrag empfiehlt, die beste Single-Image-Ad in neue Formate zu „rebuilden“ (Video, Document, GIF). Genau so gehst du vor:

  • 1 Winner-Angle auswählen
  • daraus machen: 1 Document (8–12 Slides), 1 Carousel (6–8 Cards), 1 Video (30 Sek.), 1 Static

Woche 3: Kampagnenstruktur so bauen, dass Formate wirklich laufen

Wichtig aus der US-Quelle: LinkedIn setzt Formate auf Kampagnenebene, nicht Anzeigenebene. Also brauchst du Kampagnen pro Format (oder sauber getrennte Kampagnen in einem Campaign Group-System), sonst bleibt alles Theorie.

Woche 4: Lernen lassen, nicht panisch umschichten

Die US-Quelle empfiehlt, 30–60 Tage Daten zu sammeln und dann auf die effizientesten Formate zu verdoppeln, ohne alles andere sofort zu killen, weil jedes Format Zugang zu anderem Inventar gibt.
D-A-CH-Tipp: Definiere klare „Geduld-KPIs“: CPM-Trend, Frequenz, 25%-Video-Views, Document-Opens/Saves, CTR nach Persona.

Die D-A-CH-Spezialität: Reichweite ist nichts ohne Follow-up

Im deutschsprachigen Raum scheitern viele LinkedIn-Setups nicht an Reichweite, sondern an der „zweiten Hälfte“:

  • SDRs nutzen die Signale nicht (Engagement, Opens, Views)
  • keine Sales-Snippets, keine Sequenzen, kein „Warum jetzt?“
  • Website/LP zu generisch, kein Branchen-Fit, kein Beweis

Reichweite ist der Anfang. Pipeline entsteht, wenn du aus Reichweite Wiedererkennung + Gesprächsanlass machst. Praktisch: Baue zu jedem Angle 3 Follow-up-Assets: 1 Case-Snippet, 1 Einwand-Antwort, 1 15-Min-Audit-Offer.

Fazit

LinkedIn ist nicht zu teuer – die meisten Accounts kaufen nur zu einseitig ein. Wenn du Formate und Angles systematisch diversifizierst, erschließt du günstigere Inventare, senkst durchschnittliche CPMs und erhöhst Reichweite + Frequenz im gleichen Budget. Genau daraus entsteht der „compounding effect“: mehr Formate → mehr Engagement-Typen → bessere Effizienz → mehr Reichweite → bessere Resultate.

Inspiration/Quelle (US-Original): KlientBoost Kitchen – „Why (Most) LinkedIn Ad Campaigns Failed in 2025“